Wir starten mit Gesprächen, Begehungen und kurzen Tagebuchübungen, um Muster zu erkennen: Wer steht wann auf? Wo entsteht Lärm, wo Ruhe? Welche Wege kreuzen sich unnötig? Durch Personas, Moodboards und Funktionslisten werden Wünsche konkret. Dabei achten wir auf Barrierefreiheit, Stauraum und spätere Anpassungsfähigkeit. Aus dem Nebel entsteht eine klare Landkarte – nicht als starres Korsett, sondern als verlässliche Grundlage, die Veränderungen zulässt und Entscheidungen fundiert macht.
Gute Grundrisse arbeiten mit Hierarchie und Rhythmus: privat zu öffentlich, laut zu leise, hell zu gedämpft. Wir prüfen Wege für kurze Alltagsroutinen und längere Geselligkeit, legen Blickachsen frei und holen Licht zur richtigen Tageszeit in die passenden Räume. Ein Beispiel: Eine Küche zur Morgensonne motiviert, ein Arbeitszimmer mit seitlichem Licht schont die Augen. Mit kleinen Verschiebungen vermeiden wir Engpässe, schaffen Nischen und fördern Orientierung und Wohlbefinden im täglichen Gebrauch.
Mit BIM und kollaborativen Modellen entdecken wir Konflikte früh: Leitungen, die Träger schneiden, Türen, die sich blockieren, Höhen, die nicht passen. Virtuelle Begehungen machen Abstände erfahrbar, bevor Beton fließt. Änderungswünsche werden transparent bewertet: Kosten, Termine, Auswirkungen. So wächst Vertrauen zwischen Planenden, Ausführenden und Nutzenden. Gleichzeitig behalten wir Varianten und Entscheidungen versioniert im Blick, damit am Ende alle wissen, warum etwas so geworden ist – nachvollziehbar, prüfbar und dokumentiert.
Wir kombinieren Tageslichtführung, indirekte Beleuchtung und punktuelle Akzente. Dimmbar, warm-kalt steuerbar und zoniert begleitet Licht den Tagesablauf. Spiegel, helle Decken und tiefe Laibungen verstärken Wirkung, ohne Energie zu verschwenden. Eine Leseecke wurde erst geliebt, als ein asymmetrischer Strahler Reflexe am Papier entfernte. Durch Probeschaltungen und Musterflächen finden wir die Mischung, die Augen schont, Materialien würdigt und Stimmungen intuitiv steuerbar macht.
Farben brauchen Nachbarn, um zu sprechen. Wir prüfen Kompositionen unter verschiedener Beleuchtung, achten auf Körnung, Glanzgrade und Fugen. Ein haptischer Kontrast – rau zu glatt, warm zu kühl – macht Räume lebendig. Gleichzeitig reduzieren konsistente Basistöne visuelle Unruhe. Durch Proben an realen Wänden, nicht nur am Tisch, vermeiden wir Überraschungen. So entsteht eine ruhige, wertige Bühne, auf der Möbel, Kunst und Menschen selbstverständlich wirken.
Griffe, Kanten, Sockel und Übergänge entscheiden, ob etwas sich selbstverständlich anfühlt. Wir planen sichtbare Schrauben bewusst oder verstecken sie konsequent, legen Putzkanten sauber an und wählen Profile, die reinigen erleichtern. Eine kleine Schattenfuge schützt Wände vor Staubsaugern, eingelassene Schalter verhindern Hängenbleiben. Diese Feinheiten kosten wenig im Vergleich zur Wirkung: weniger Ärger, mehr Freude, spürbar jeden Tag und über Jahre.